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Artgerechte Haltung - Besatzdichte im Aquarium

Autor: Robert Brungert | Bildquelle: Pixabay

Artgerechte Haltung – Besatzdichte im Aquarium

Das Aquarium soll Ruhe ausstrahlen und zu einem Blickfang werden. Es soll immer etwas geben, was sich gut beobachten lässt. Deswegen schwimmen in den meisten Aquarien einige Zierfische. Diese haben Ansprüche an ihren Lebensraum. Viele Fische wollen nicht alleine leben, brauchen dann aber mehr Platz. Nicht nur das: sie brauchen stabile Wasserwerte, einige Wasserpflanzen, passendes Futter und Verstecke oder Schwimmbereiche.

Viele Aquarianer wissen, dass sie Fische erst ab 54 Litern halten dürfen. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft formuliert jedoch: „Verbindliche Angaben zur Besatzdichte sind nicht sinnvoll, da sie von zu vielen Variablen abhängen und deshalb zu stark vereinfacht werden müssten.“

Wie berechnet sich dann diese maximale Besatzdichte im Aquarium für eine artgerechte Haltung? Jede Art und jeder gemischte Besatz sind einzeln zu betrachten. Und wie machen das Aquarianer, die sich noch in ihr Hobby einarbeiten? Es gibt einige Eckpfeiler wie „mindestens 54 Liter“, welche jedoch selbst für viele Wirbellose nicht genügen würden.

Faustformeln für die Berechnung der Besatzdichte

Variante A: Die Gesamtlänge aller Fische darf zusammen nicht länger als die Breite des Aquariums sein.

Kritik: Einige Fische sind langgezogen und große Fische haben auf ihre Länge proportional mehr Gewicht. Und dieses Gewicht verursacht Stoffwechselprodukte, die wiederum das Wasser belasten.

Besser ist deswegen Variante B: Die Fische werden in Größen unterteilt. Jeder Fisch fließt mit seinem Multiplikator ein:

- bis 2 cm pro Fisch ca. 1,5 Liter

- bis 5 cm pro Fisch ca. 6 Liter

- bis 10 cm pro Fisch ca. 16 Liter

- über 10 cm pro cm Körperlänge ca. 3,5 Liter

Wenn Schnecken oder Garnelen im Aquarium leben, soll die Literzahl des Aquariums für Fische nicht komplett ausgelastet sein. Auch Wirbellose geben Stoffwechselprodukte an das Wasser ab.

Mindestgröße für einzelne Arten beachten

Sehr beliebte Zierfische sind lebendgebärende Zahnkarpfen wie Guppy, Platy oder Schwertträger. Diese sind häufig so dicht miteinander verwandt, dass sie sich kreuzen können. Guppys und Platys werden bis 7, Schwertträger bis über 10 cm groß. Sie fühlen sich ab 5 Exemplaren wohl. Außerdem soll die Beckenlänge mindestens 80 beziehungsweise 100 cm betragen.

Ein Schwarm mit 5 Guppys oder Platys „verbraucht“ bereits ein Wasservolumen von 80 Litern, ein Schwarm von 5 Schwertträgern rund 200 Litern. Da einzelne dieser Fische kleiner bleiben, kann die Literzahl auch geringer ausfallen.

Neben der Kantenlänge des Aquariums landen diese und andere Zierfische bei artgerechter Haltung also automatisch deutlich über 54 Liter! Außerdem vermehren sich diese Arten und wenn Nachwuchs durchkommt, steigt auch die benötigte Literzahl.

Bei genauerer Betrachtung sind viele Aquarien mit Zierfischen also bereits überbelegt. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gibt jedoch etwas Spielraum: „In einem kleineren gut gegliederten Aquarium kann die Besatzdichte durchaus größer sein als in einem weit größerem, aber weitgehend leeren Aquarium.“ Dennoch ist mehr Wasservolumen immer besser, bereits wegen der besseren Wasserwerte.

Weitere Faktoren für die artgerechte Haltung

Für alle Fische und Wirbellose müssen die Wasserwerte mit Temperatur, Wasserhärte und auch Sauerstoffgehalt gut sein und stabil bleiben. Sobald Fische oder sehr viele Wirbellose im Aquarium leben, muss es deswegen regelmäßige Teilwasserwechsel und einen Aquarienfilter geben. Es gibt neben besonders robusten auch besonders empfindliche Zierfische, die neben sauberem auch sauerstoffreiches Wasser benötigen. Wasserpflanzen geben nur am Tag Sauerstoff ab. Deswegen ist bei besonders empfindlichen Zierfischen ein Oxidator oder Ausströmer für die Nacht sinnvoll. Für die Wirbellosen ist hingegen wichtig, dass so gut wie keine Weichmacher, Kupfer oder andere Schwermetalle in das Aquarium gelangen.

Weiterhin müssen sich alle vergesellschafteten Arten miteinander verstehen oder sich zumindest aus dem Weg gehen können. Wer seine Fische mit Garnelen vergesellschaftet, soll darauf achten, dass diese zum Großteil nicht am Bodengrund leben. Die Fischarten müssen also auch in ihrer Ebene oder ihrem Lebensbereich genug Platz vorfinden.

Viele Fische fühlen sich nur wohl, wenn wenigstens eine Stelle im Aquarium dicht bepflanzt ist. Andere benötigen einen Freibereich zum Schwimmen oder eine Wasserströmung. Die nächsten meiden das Tageslicht und brauchen deswegen Verstecke und eine Fütterung zur Dämmerungszeit.

Sehr viele Zierfische sind auf ihr Futter spezialisiert. Sie brauchen entweder sehr spezielles oder sehr abwechslungsreiches Futter. Auch an dieser Stelle muss der Aquarianer wie bei den Wasserwerten ständig etwas Arbeit investieren.

Auf Besonderheiten der Wassertiere eingehen

Einige Zierfische oder Wirbellose sind besonders scheu oder besonders aggressiv. Großarmgarnelen sind brutale Räuber und betrachten Zierfische und Wirbellose als Beutetiere. Eine artgerechte Vergesellschaftung mit anderen Arten ist also kaum möglich. Es ist deswegen besser, Großarmgarnelen im sogenannten Artenbecken zu halten. Dieses muss groß genug sein, damit die Tiere sich gegenseitig aus dem Weg gehen können oder diese müssen eine ähnliche Größe aufweisen. Auch bei einigen räuberischen Fischen gelingt eine gemeinsame Haltung im Artenbecken nur mit gleichgroßen Exemplaren.

Kampffische bilden Reviere, vertragen nicht viel Stress und werden deswegen häufig in einem Artenbecken beziehungsweise für sich alleine gehalten. Malawi-Buntbarsche sind durchaus gesellig, vernichten aber die Bepflanzung und schwimmen deswegen meist im pflanzenlosen Artenbecken.

Ein anderes Problem ist das Verhältnis von Männchen zu Weibchen. Bei sehr vielen Arten wie auch den Malawi-Buntbarschen oder lebendgebärenden Zahnkarpfen bedrängen die Männchen die Weibchen. Häufig wird für die einzelnen Arten empfohlen, ein Männchen auf drei Weibchen zu kalkulieren.

Wenn sich einzelne Arten wie Posthornschnecken oder lebendgebärende Zahnkarpfen schnell vermehren, kann auch dieses zu einem Überbesatz führen. Eine knappere Fütterung oder verschlechterte Möglichkeiten für die Jungtiere kann dem entgegenwirken. Wer die Kontrolle über seinen Besatz behalten will, kann auch generell Arten wählen, die sich nicht erfolgreich im Aquarium vermehren.

Den sinnvollen Besatz für die artgerechte Haltung finden

In jedem Aquarium gibt es den unteren, mittleren und oberen Bereich. Meistens gibt es dicht bepflanzte Stellen oder andere Versteckmöglichkeiten. Die meisten Aquarianer wollen bestimmte Zierfische, weil sie diese schön finden. Es gibt aber auch nützliche Wirbellose oder Zierfische. Diese verwerten die Futterreste, weiden den Algenaufwuchs oder den Detritus ab. Es handelt sich also um wertvolle Helfer im Aquarium. Wer einige Reste- und Algenfresser im großen Gesellschaftsbecken etabliert, stabilisiert damit die Wasserwerte.

Typische Algenfresser sind Helmschnecken, Geweihschnecken, Rennschnecken, die Amanogarnele oder Zwerggarnelen im Allgemeinen. Es ist immer gut, ein paar dieser Wirbellosen im Zierfisch-Aquarium zu haben, solange die Wasserwerte passen und sie nicht gefressen werden.

Es gibt auch nützliche Fische wie den Pinselalgenfresser „Crossocheilus reticulatus“ oder Jamaikakärpfling „Limia melanogaster“, welche Fadenalgen mögen. Ein Klassiker sind Siamesische Rüsselbarben „Crossocheilus siamensis“, welche dafür bekannt sind, Bartalgen, Pinselalgen und Fadenalgen zu fressen. Leider werden sie bis 16 cm groß und es sollen wenigstens fünf im Aquarium leben. Für kleinere Aquarien wären die Jamaikakärpflinge deswegen interessanter. Zumindest brauchen auch diese Zierfische eine ergänzende Fütterung. Wenn die Algen nicht genügend gefressen werden, kann eine etwas knappere Fütterung der Schlüssel zum Erfolg sein.

Fazit zur artgerechten Haltung im Aquarium

Die Besatzdichte ist also nur ein Messwert für die artgerechte Haltung im Aquarium. Fixwerte gibt es nur wenige und jeder muss für seine Arten und sein Aquarium abschätzen, ob die Besatzdichte schon zu hoch ist. Dabei helfen Richtwerte wie die Länge der Fische, deren Anzahl und die minimale Kantenlänge, die ein Aquarium für die Art haben soll.

Wenn sich für eine einzelne Art recht schnell eine vertretbare Besatzdichte berechnen lässt, wird es beim Vergesellschaften schwieriger: Passen die Wasserwerte für alle Bewohner und haben diese in ihrem Bereich genug Ruhe und Rückzugsmöglichkeiten? Es ist deswegen viel schwieriger, ein großes Gesellschaftsbecken mit mehreren Zierfischen und Wirbellosen zu planen, als ein einfaches Artenbecken. Wer seine Tiere artgerecht halten will, muss sich dieser Herausforderung stellen und etwas Zeit für die nötige Recherche investieren. Es gibt immerhin hunderte Zierfische oder Wirbellose, welche sich für die Aquaristik eignen.

 

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